Wir wandern vom Aussichtspunkt Mirador de ses Barques durch einsame Olivenhaine, vorbei an malerischen Fincas und entlang der wilden Steilküste Sa Costera bis zur schönen Bucht Cala Tuent an Mallorcas Westküste. Diese Einsamkeit steht in krassem Gegensatz zum Massentourismus an Mallorcas Südküste und ist absolut die Mühe wert, sich die Wanderschuhe anzuziehen und auf den Weg zu machen.
Mallorcas wilde Westküste
Diese Tour zur Cala Tuent besticht durch die Gegensätze zwischen gepflegten Fincas in lieblichen Tälern voller knorriger Olivenbäume und wilder, unberührter Steilküste, die nur zu Fuß zu erkunden ist.
Die Serra de Tramuntana, 2011 zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt, ist in vielen Teilen unberührt und unwegsam. Wer sich nicht die Mühe macht, diese Landschaft zu erlaufen, wird die Schroffheit dieses Küstengebirges kaum angemessen würdigen können.
Der Abschnitt der Küste bei Sa Costera ist von jeglicher Bebauung verschont geblieben und absolut wild und unberührt. Der schmale Küstenpfad liefert grandiose Ausblicke auf das türkisblaue Meer und schroffe Felswände.
Unterweg gibt es die Möglichkeit, einen Abstecher zur ehemaligen Stromfabrik von Sa Costera zu machen.
Die ruhige Cala Tuent gilt als eine der malerischsten Buchten Mallorcas. Selbst in der Hauptsaison ist sie nicht überlaufen, da hier kein Bus hält und die Anfahrt über die Haarnadelkurven schwierig ist. Auch ist die Anzahl der Parkplätze sehr begrenzt.
Der weiße Strand besteht aus feinem Kies, das Wasser ist kristallklar und die spärliche Bebauung um die Bucht ist sehr dezent. Auch optisch ist die Cala Tuent eine der wenigen unberührten Buchten auf Mallorca.
Dieser Artikel wurde am 08.05.2025 aktualisiert.
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Hinweise zur Tour zur Cala Tuent
Diese Wanderung ist wunderschön, aber anstrengend, da sie sehr lang ist und viele Höhenmeter zu bewältigen sind, wenn du hin und zurück läufst. Die Cala Tuent ist durch eine kleine, kurvige Straße erschlossen und es gibt ein paar wenige Häuser um die malerische Bucht.
Die Tour ist sehr abwechslungsreich und führt zuerst durch Olivenhaine, bevor du zu einer Finca hinabsteigst. Auf der anderen Seite geht der Pfad durch lichten Wald den Berg hinauf, bevor du an der Steilküste entlang zur Cala Tuent wanderst.
Du solltest dir vor der Entscheidung für diese Tour unbedingt darüber im Klaren sein, ob du körperlich in der Verfassung ist, den gesamten Hin- und Rückweg von über 20 Kilometern zu bewältigen. Ein im Notfall gerufenes Taxi von Sóller zur Cala Tuent benötigt über eine Stunde, falls man überhaupt jemanden findet, der den Weg auf sich nimmt!
Ein Wort zum Thema Sicherheit: Wandern als Freizeitbeschäftigung ist auf den ersten Blick recht ungefährlich. Aber auch hier lauern Gefahren, die nicht zu unterschätzen sind. Die meisten Verletzungen beim Wanderungen passieren durch falsches Schuhwerk! Ich kann es daher nicht oft genug wiederholen: Bitte achtet auf eine gute Ausrüstung! Dazu gehören feste Wanderschuhe mit ordentlichem Profil, ein Erste-Hilfe-Pack, eine Taschenlampe, Notproviant und ausreichend Wasser!
In den Wintermonaten solltest du unbedingt rechtzeitig loslaufen, um die gesamte Tour im Hellen bewältigen zu können. Ein gut aufgeladenes Handy oder sogar eine Stirnlampe sind sicherlich nicht verkehrt.
In den Sommermonaten fährt ein Ausflugsschiff von Port de Sóller zur Cala Tuent. Dies ermöglicht eine Ein-Weg-Wanderung, allerdings ist dann zu klären, wie du vom Mirador de ses Barques nach Port de Sóller kommst.
In der Cala Tuent gibt es ein schönes Restaurant mit Blick über die Bucht. Leider war es bei unserem Besuch im Februar 2022 geschlossen. Am Strand gibt es einen Getränkestand, der im Sommer geöffnet ist. Weitere Versorgungsmöglichkeiten gibt es nicht.
Der Weg bietet nicht viel Schatten, daher solltest du an eine Kopfbedeckung und genug Wasser denken. Der Pfad selber ist oft steinig und steil, daher würde ich unbedingt Wanderstöcke empfehlen.
Auf dem schmalen Pfad entlang der Steilküste ist eigentlich immer genug Vegetation neben dem Weg vorhanden, daher sollten auch Nicht-Schwindelfreie diese Wanderung machen können. Wer sehr empfindlich auf Höhen reagiert, sollte diese Tour aber besser nicht machen.
7 Stunden • 20,5 km Hin- und Rückweg • 910 Höhenmeter • Start auf 405 m
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Wenn du die schöne Cala Tuent und den Torrent de Pareis zwar sehen, aber nicht erwandern willst, kann ich dir eine ganztägige Bootstour* empfehlen. Mit dem Boot ist die Cala Tuent viel einfacher zu erreichen als über die Straße und so bekommst du die wilde Küste vom Meer aus zu sehen und hast auch genug Zeit am Strand.
Wegbeschreibung
Wir starten unsere Tour am Aussichtspunkt Mirador de ses Barques. Hier stehen ausreichend Parkplätze zur Verfügung und das kleine Café mit herrlichem Blick auf Port de Sóller bietet Essen und Getränke an.
Wir werfen vom ummauerten Aussichtspunkt einen Blick auf die unter uns liegende Küste und Port de Sóller. Der Aussichtspunkt hat seinen Namen von den Schiffen — barques, die man von hier oben beobachten kann.

Vom Aussichtspunkt geht es los Richtung Cala Tuent. Vom Parkplatz starten zwei Wege, die beide innerhalb weniger hundert Metern wieder zusammen kommen, von daher ist es egal, welchen wir nehmen. Wichtig ist, dass der Weg mit Cala Tuent, Sa Calobra oder auch Bàlitx d’Avall ausgeschildert ist.
Der Pfad geht leicht bergab durch die Olivenhaine der in diesem Tal liegenden Fincas. Die ordentlichen Trockensteinmauern finden wir immer wieder beeindruckend und stellen uns schaudernd vor, wieviele Rückenschmerzen das Zusammentragen der Steine in früheren Zeiten wohl verursacht hat.

Nach der Finca Bàlitx d’Amunt steigt der Pfad in ein mit Olivenbäumen bestandenes Tal hinab. Ab hier wechselt der Weg zwischen der Staubstrasse und kleinen, mit Steinen gepflasterten Pfaden. Die alten Wege sind teilweise sehr uneben, daher fand ich die Wanderstöcke auf diesem Abschnitt des Weges recht hilfreich.
Das Tal von Bàlitx, in das wir nun hinuntersteigen, hat seinen Namen nach den befestigten Fincas aus dem 17. Jahrhundert, die eben Bàlitx genannt wurden. Auf den umliegenden Bergen erspäht man auch den ein oder anderen Wachtturm, der früher dazu diente, die Bevölkerung vor Piratenangriffen zu warnen.

Da dieses Gelände Privatbesitz ist, solltest du den Ausschilderungen folgen. Die Straße führt direkt zu einer Finca, der Wanderweg weit oberhalb daran vorbei und stört somit nicht die Ruhe der Bewohner.
Der Weg wird immer steiler, führt durch terrassierte Olivenhaine und sogar ein kleines Wäldchen nach unten. Dieser Abschnitt ist ziemlich gemein, denn auf der anderen Seite des Tals von Bàlitx d’Avall führt der Weg auf gleicher Höhe über den Berggrat zur Steilküste. Leider liegen zwischen diesen zwei Punkten über 200 Höhenmeter Ab- und Aufstieg.
Zuerst kommt man am Boden des Tals an der Finca Bàlitx d’Avall vorbei. Früher konnte man in der alten Finca Essen oder Übernachten, aber seit der Corona-Zeit wurde der Agritourismo-Betrieb anscheinend eingestellt.
Und so geht es kurz hinter der Finca den Berg wieder nach oben. Der schmale Wanderweg führt durch den Wald hinauf, vorbei ist es mit den Olivenhainen. In Serpentinen erklimmen wir schwitzend den kleinen Grat, Coll de Biniamar genannt, zwischen dem Tal und der Steilküste. Leider haben wir von hier oben kaum eine Aussicht, es geht ganz unspektakulär durch einen dunklen Wald in Serpentinen wieder nach unten.
Kurz darauf verlassen wir den Wald und haben endlich den lang ersehnten Ausblick auf die unberührte Steilküste Sa Costera und das Blau des Tages:

Ab jetzt führt der Pfad langsam absteigend die Küste entlang Richtung Cala Tuent. Die Szenerie wechselt zwischen weichem Waldboden unter knorrigen Pinien und steilen, felsigen Abschnitten, die Trittsicherheit verlangen.

Auf etwa halber Strecke des knapp 1 Stunde dauernden Weges entlang der Küste kann man einen Abstecher zur alten Stromfabrik Sa Costera machen, die direkt unten am Meer liegt.
Uns waren das einfach zu viele Höhenmeter, daher haben wir diesen Punkt ausgelassen.
Wer nicht den gleichen Weg zurück nimmt, hat vielleicht eher Lust, hinabzusteigen und dann ist auch genug Zeit vorhanden, die Stromfabrik zu erkunden.
Die Steilküste Sa Costera ist bis in die heutige Zeit völlig unberührt und nur zu Fuß oder per Boot zu erreichen. Im Sommer mag es hier von Ausflugsbooten wimmeln, auf unserer Wanderung im Februar haben wir nur 2 andere Wanderer auf dieser Tour getroffen.


Wir fanden diesen Teil der Wanderung aufgrund der wilden, unberührten Natur und der Einsamkeit sehr schön. Der Aufstieg von Bàlitx d’Avall hat sich auf alle Fälle gelohnt!
Kurz nach dem Coll de na Polla mit den alten Trockenmauern geht es dann steil durch den Pinienwald hinunter zur Bucht Cala Tuent. Bis zuletzt versteckt sie sich hinter den Bäumen und wir sehen nur ab und zu das türkisblaue Wasser glitzern.

Auch hier fühlen wir uns seltsam aus der Zeit gefallen, da es sehr still ist. Das einzige Restaurant hat bei unserem Besuch geschlossen und die Hütte am Strand, die im Sommer wohl Getränke verkauft, ist winterfest verschlossen. Auch die wenigen Ferienhäuser, die zwischen den Bäumen hervorlugen, sehen verlassen aus.
Der Strand selber besteht aus mittelfeinem Kies, der das Laufen erheblich erschwert. Für ein Picknick mit traumhaftem Blick auf die Bucht findet hier jeder ein schönes Plätzchen.
Leider können wir uns nicht lange aufhalten, denn wir müssen ja noch zurück laufen. Kurz überlege ich, meinen Mann alleine zurück zu schicken, und hier zu warten, bis er mich abholt. Eine schnelle Abfrage bei Google sagt mir allerdings, dass ich dann ab jetzt 6 Stunden warten muss und es bis dahin kalt und stockdunkel ist. Keine schöne Vorstellung. Daher: Auf geht’s!
Entlang der Küste Sa Costera wandern wir im weichen Licht des Nachmittags mit tollen Blicken auf die Felswände und das Meer zurück. Diese unberührte Naturschönheit hat es uns wirklich angetan. Auf dem gesamten Rückweg begegnen wir übrigens keiner Menschenseele, nur ziemlich vielen Schafen und einigen Ziegen unter den Olivenbäumen.
Nach dem erneuten Aufstieg hinter der Finca Bàlitx d’Avall haben wir endlich den Großteil des Weges hinter uns. Ich bin ziemlich erledigt und werde immer langsamer und bin froh um die Wanderstöcke, die einige Male ein Straucheln auf dem steinigen Weg verhindern.

Auf den letzten Metern solltest du nicht den Fehler machen, der Straße zu folgen, weil du denkst, dies sei einfacher und schneller als der Wanderweg. Die Enttäuschung ist groß, wenn du dann vor dem geschlossenen Tor stehst und umdrehen musst. Ich spreche da aus leidvoller Erfahrung…
Mit dem letzten Licht des Tages kommen wir endlich wieder am Mirador de ses Barques an.

Was für eine tolle, aber auch anstrengende Tour!
Nach diesem kräftezehrenden Tag schmeckt eine Paella mit Meeresfrüchten und ein Glas Vino Tinto in der Altstadt von Sóller besonders gut.
Übersichtskarte
Die GPS-Daten gibt es bei Komoot:
Vom Mirador de ses Barques zur Cala Tuent — Naliblau

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