Das verwunschene Dorf Deià ist der Startpunkt dieser abwechslungsreichen Rundwanderung, die uns zur kleinen Cala Deià und schönen Aussichten über die Westküste Mallorcas führt. Sowohl in Deià als auch in Cala Deià gibt es hervorragende Restaurants, um einen erlebnisreichen Wandertag abzurunden.
Das Künstlerdorf Deià
Deià, das immer wieder als Künstlerdorf bezeichnet wird, liegt auf einem Hügel in einem steilen Taleinschnitt zwischen der Serra de Tramuntana und dem Meer. Vom Dorf hat man sowohl einen weiten Blick auf das Meer als auch die umliegenden hohen Berge.
Schon zu Zeiten der Römer lebte diese Region vom Anbau von Oliven, Orangen und Zitronen und dem Fischfang. Immer wieder wurde die Insel von Piraten heimgesucht, wogegen sich die Bewohner mit dem Bau von Wachtürmen zu schützen versuchten.
Später wurden die Bewohner dieses Küstenabschnitts aus Mangel an anderen Möglichkeiten selber zu Piraten und Schmugglern, da die unwegsame Steilküste ideale Zufluchtsorte und Verstecke bot.
In den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts zog schließlich der englische Autor Robert Graves nach Deià, wo er mit Unterbrechungen bis zu seinem Tod 1985 lebte. Er sorgte für das Bekanntwerden des malerischen Dorfes und ihm folgten nicht nur Künstler, sondern auch andere Berühmtheiten, die dem Dorf zu internationalem Flair verhalfen. Heute befindet sich ein seinem Haus Can Alluny ein kleines Museum.
Im Dorf und der Umgebung gibt es dank des prominenten internationalen Publikums das ein oder andere hervorragende Restaurant zu entdecken. Einige Läden bieten schönes Kunsthandwerk an, für Interessierte lohnt sich ein Bummel durch die kleinen Gassen auf alle Fälle.
Deià gilt heute zu Recht als eines der schönsten Dörfer Mallorcas. Von Tagestouristen geflutet, entfaltet es seinen wahren Charme, wenn es still wird im Dorf. Es lohnt sich, hier durch die Gassen zu streifen, wenn das Licht der aufgehenden Sonne auf den gelben Natursteinmauern warme Reflexe zeichnet oder das Mondlicht die Gassen erhellt.
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Hinweise zur Tour auf dem Piratenpfad
Start- und Endpunkt der Wanderung ist Deià. Entlang der Hauptstraße gibt es mehrere Parkmöglichkeiten, aber die Plätze sind begrenzt und frühes Ankommen ist Pflicht.
In Deià gibt es einen kleinen Supermarkt, in dem du dich mit den nötigen Zutaten für ein Picknick eindecken kannst. Ebenso gibt es Cafés und Restaurants, die zum Besuch nach der Wanderung einladen. In der Cala Deià gibt es zwei Restaurants in toller Lage direkt am Strand.
Ein Wort zum Thema Sicherheit: Wandern als Freizeitbeschäftigung ist auf den ersten Blick recht ungefährlich. Aber auch hier lauern Gefahren, die nicht zu unterschätzen sind. Die meisten Verletzungen beim Wanderungen passieren durch falsches Schuhwerk! Ich kann es daher nicht oft genug wiederholen: Bitte achtet auf eine gute Ausrüstung! Dazu gehören feste Wanderschuhe mit ordentlichem Profil, ein Erste-Hilfe-Pack, eine Taschenlampe, Notproviant und ausreichend Wasser!
Der Weg ist sonnig, vor allem an der Küste. Auf dem Rückweg gibt es ein wenig Schatten im Wald, aber nur auf kurzen Strecken. An der Cala Deià und entlang des Küstenpfades finden sich genug Plätze für ein Picknick und eventuell einen Sprung ins Wasser.
Besondere Schwindelfreiheit ist auf diesem Weg nicht gefragt. Wer sehr empfindlich ist, kann an der Küste an exponierten Stellen eventuell Probleme bekommen.
Der Weg ist eigentlich problemlos zu bewältigen. Wie auf allen mallorquinischen Wanderwegen ist die Wegbeschaffenheit eher steinig und uneben und erfordert erhöhte Aufmerksamkeit. Ein Wanderstock ist wie immer ein gutes Hilfsmittel.
Der Piratenpfad entlang der Küste, der offiziel Camí dels Pintors heißt, wird unverständlicherweise nicht gut instand gehalten. Seit Jahrzehnten streiten sich die verschiedenen Behörden über die Zuständigkeiten und vernachlässigen den Weg. Leider gibt es regelmäßig Verletzte und sogar Tote, daher ist vor allem an der Steilküste Vorsicht geboten.
Der Weg, eigentlich harmlos, wird im Winter manchmal durch Stürme unterspült und die Küste bricht ab. Daher kann es sein, dass der Weg an manchen Stellen unbegehbar wird und nur notdürftig oder gar nicht repariert wurde. An diesen Stellen bitte unbedingt gut aufpassen und kein Risiko eingehen! Gute Wanderschuhe mit ausreichend Profil sind ein Muß, das Wandern in Flipflops oder ausgetretenen Turnschuhe kann man hier nur als fahrlässig bezeichnen!
3,5 Stunden • 10,6 km Rundweg • 370 Höhenmeter • Start auf 175m
Wegbeschreibung
In Deià suchen wir zuerst einen Parkplatz. Entlang der Hauptstraße gibt es mehrere Möglichkeiten und nach kurzer Zeit werden wir fündig. Wir laufen an der Ma10 entlang, bis wir den Einstieg in unsere Wanderung finden.
Steil geht der gepflasterte Weg im Dorf nach unten, um kurz darauf an kleinen Gärten vorbei zu führen. Ab und zu haben wir schöne Blicke auf das Dorf, das sich an den Berghang schmiegt.

Der Pfad wird schmaler und führt durch verschiedene Olivenhaine immer weiter nach unten. Stellenweise müssen wir etwas suchen, wo es weiter geht und der Abstieg durch die Natursteinmauern, die die Terrassen mit Olivenbäumen stützen, ist nicht immer angenehm.
Wir stoßen auf die kleine Straße, die zur Cala Deià führt und folgen ihr, bis wir auf einen kleinen Pfad kommen. Entlang der Straße gibt es viele Parkplätze, die jetzt im zeitigen Frühjahr aber alle leer sind.
Der kleine Pfad schlängelt sich um einen Felsen, dann sehen wir auch schon die malerische Cala Deià vor uns. Der grobe Kiesstrand ist von Felsen und Büschen flankiert, das Wasser schimmert türkisgrün und das Restaurant, das auf den Felsen über der Bucht liegt, ist geschlossen. Das Meer ist glatt wie ein Spiegel und kaum ein Geräusch ist zu hören.

Im Sommer kannst du hier mit herrlichem Blick essen, allerdings wohl nur mit Reservierung, denn durch die einzigartige Lage ist das Restaurant Ca’s Patró March sehr beliebt. Am Strand liegt ein zweites Restaurant, das Ca’n Lluc, bei unserem Besuch im Februar ebenfalls geschlossen. Beide Restaurants sehen eher einfach aus, servieren aber wohl hervorragendes Essen.
Nach einer kurzen Pause — für ein Picknick ist es zu früh und Kaffee gibt es leider nicht — gehen wir den kleinen Pfad ein Stück zurück, um gleich darauf auf den Küstenpfad abzubiegen. Offiziell trägt der Wanderweg entlang der Küste den Namen Camí dels Pintors, ist aber auch unter dem Namen Piratenpfad bekannt.

Oben angekommen, müssen wir den Weg etwas suchen. Die erste Terrasse, deren Verlauf wir folgen, entpuppt sich als Sackgasse, aber der tolle Blick auf die kleine Bucht lohnt den Umweg allemal.
Wir müssen schon wieder eine kleine Pause machen, weil der Ausblick auf das Wasser so schön ist!
Noch eine Terrasse weiter oben sind wir dann auf dem richtigen Weg angekommen.
Der schmale Weg schlängelt sich die Küste entlang und wird leider nicht regelmäßig gepflegt. Daher kann er an manchen Stellen recht gefährlich werden. Auf unserer Tour gab es nur eine Stelle, die unangenehm war, aber die Spuren von Erdrutschen haben wir an mehreren Stellen gesehen.

Es gibt hinter jeder Biegung neue, schöne Ausblicke zu entdecken und genug Plätzchen, die sich für eine Pause eignen.
An manchen Stellen führen kleine Wege ans Meer hinunter. Im Sommer kann man hier bestimmt die ein oder andere Bucht finden, um zu baden oder zu schnorcheln. Sandstrand gibt es auf diesem Abschnitt keinen, dafür aber Mini-Buchten mit Kieselsteinen.
An einem der Felsen entdecken wir sogar eine Treppe ins Meer hinunter, die den Einstieg für Schwimmer erleichtert.

Wir aber laufen weiter, sogar am steinernen Picknicktisch unter den Pinien vorbei, der so einladend aussieht und von einigen Möwen aufmerksam beäugt wird.
Bevor wir allerdings den Küstenpfad verlassen, um in weitem Bogen nach Deià zurückzukehren, suchen wir uns doch noch einen Platz am Wasser, um eine Pause zu machen und etwas zu essen.
Da wir die große Auswahl haben, fällt uns die Entscheidung nicht leicht und wir können uns erst kurz vor dem Verlassen des Küstenpfades auf einen Platz einigen.

Der hat es uns aber auf den ersten Blick angetan: eine Mini-Bucht ganz für uns allein!
Der Abstieg die schroffen Felsen hinunter ist nicht ganz so einfach, denn die Felsen sind unglaublich scharfkantig und teilweise recht bröckelig, aber mit Zuhilfenahme der Hände sicher zu schaffen.

Im kristallklaren, türkis schimmerndem Wasser im kleinen Felsenpool schwimmen kleine Baby-Quallen und wir sehen Unmengen von stacheligen Seeigeln. Das Wasser ist durch die davor liegenden Felsen ganz ruhig und wir können die Unterwasserwelt bestaunen, ohne mit dem Schnorchel ins Wasser zu müssen.
Wir machen eine gemütliche Siesta und lauschen dem leisen Plätschern des Meeres. So friedlich hier. Irgendwann geht das Plätschern in leises Schnarchen über — da ist mein Mann doch glatt eingeschlafen!
Ich genieße derweil den Ausblick auf mein Blau des Tages, das heute sehr ins Türkisgrün tendiert:

Mit neuem Elan geht es nach der Pause weiter, der Aufstieg wartet schließlich auf uns. Kurz geht es durch lichten Wald, dann entlang einiger Häuser, bis es durch Olivengärten in Serpentinen zur Ma10 hinauf geht. Wir queren die Straße und steigen durch den Steineichenwald weiter hinauf.
Als ich schon keine Lust mehr auf das elendigliche Hinaufsteigen habe, kommt endlich der Weg GR221 nach Deià in Sicht. Leider nur in Sicht, denn die 10 m, die uns davon trennen, sind mit stacheligem Gebüsch überwuchert. Wie sollen wir da hinaufkommen? Mein Mann findet schließlich den kleinen Pfad, den wir einige Meter hinter uns übersehen haben.
Der Fernwanderweg GR221, auch Trockenmauerweg genannt, führt auf angenehmen Tagesetappen durch die schönsten Abschnitte der Serra de Tramuntana. Aber auch Teilstücke, die in Tageswanderungen integriert werden, sind immer wieder ein besonders schöner Teil der Wanderung. So auch hier: der Weg führt durch einen stillen, verwunschenen Steineichenwald und zeigt uns eine ganz andere Seite von Mallorcas Natur als der Pfad an der Küste.
Auf dem stellenweise gepflasterten Weg geht es durch den Wald leicht bergab bequem bis zur Landstrasse, der wir leider ein kurzes Stück folgen müssen.
Dann geht es wieder abwärts — echt jetzt? — durch die Gärten, mit Blick auf Deià und das Meer, bevor es wieder aufwärts — nicht schon wieder! — in den Endspurt geht.
Heute morgen sind wir auf der westlichen Seite dieses kleinen Tals zur Cala Deià hinab gestiegen, jetzt steigen wir auf dem schmalen Pfad auf der östlichen Seite nach Deià hinauf.

Endlich geschafft!
In Deià gibt es genug Cafés, um sich mit einem kleinen Apéro nach getaner Arbeit zu verwöhnen. Und so bummeln wir noch etwas durch den Ort und suchen uns die schönste Terrasse aus, um den Tag ausklingen zu lassen.
Übersichtskarte
Die GPS-Daten gibt es bei Komoot:
Die malerische Cala Deià und der alte Piratenpfad entlang der Küste — Naliblau

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Mehr dazu gibt es in meinem Beitrag über Wandern auf Mallorca.









